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Newsblog

Dean Martin Bochem

Imker, Buchautor & Speaker

Beutenheizung sinnvoll nutzen

Der Volksaufbau im Frühjahr ist für Bienenvölker ein anstrengender Kraftakt, an dem sie nicht selten scheitern. Die Zieltemperatur im Brutnest beträgt 35 °C, während die Temperaturen draußen, vor allem nachts, immer wieder bis an den Gefrierpunkt fallen können. Eine Beutenheizung kann dem Bienenvolk einen Teil der Wärmeleistung abnehmen und die Brutnesttemperatur stabilisieren. In der gezeigten Konstellation schaltet sich die Heizung immer nur dann zu, wenn die Temperatur am Unterträger 21 °C unterschreitet. Dies ist die Temperaturschwelle, ab der Bienenvölker eine lockere Traube um das Brutnest bilden, um es ausreichend warm halten zu können. Durch die Wärmezufuhr simulieren wir stabilere Temperaturbedingungen, wie sie sich oft erst im Mai oder Juni einstellen. Das Ergebnis ist ein größeres Brutnest, eine beschleunigte Volksentwicklung und eine erheblich vergrößerte Bienenmasse zum Start der Frühtracht. Es ist absolut sinnvoll, beheizte Völker mit einer Wasserquelle im Stock und Pollenfutter zu unterstützen, um den vollen Effekt der Heizung nutzen zu können. Das Bild zeigt wie sich die Wärme in einem Stock mit ausgebauten Rähmchen und zugeschalteter Heizung verteilt. In allen Bereichen der Beute liegt der Taupunkt mindestens 2,5°C unter der tatsächliche gemessenen Temperatur der Stockluft. Die Heizung beschleunigt nicht nur die Volksentwicklung, sie verhindert auch effektiv Kondensation und resultierende Probleme mit Wabenschimmel.

Praxisseminar-Vorankündigung | 04.04.2026 – Österreich

Am 04.04.2026 findet ein Workshop mit Lutz Eggert und mir bei Janisch statt.
Wenn du besser verstehen möchtest, wie deine Beuten mit den Bienenvölkern interagieren – thermisch, energetisch und biologisch – lade ich dich ein, genau diesen Fragen gemeinsam nachzugehen. Begrenzte Teilnehmerzahl – Anmeldung erforderlich. Wir sehen uns bei Janisch in Hartl.

Wie kalt ist zu kalt?

Die heute dominierende Praxis der Überwinterung ist die kalte Überwinterung. Wie kalt? Im Grunde beliebig kalt. Bienenvölker können das – bis zu jenem Punkt, an dem ihre Kraft nicht mehr reicht und sie erfrieren. Dass es auch anders gehen könnte, gerät dabei leicht aus dem Blick.

Bereits um 1880 hat Theofil Ciesielski diese Frage erstaunlich offen untersucht. In einer Reihe sorgfältiger Überwinterungsversuche reichte sein Spektrum von dünnwandigen Holzbeuten über gedämmte Beuten, Erd- und Kellerüberwinterung bis hin zur Überwinterung in geschlossenen Räumen bei konstanten 18 °C. Die Ergebnisse widersprachen schon damals dem imkerlichen Bauchgefühl: Die schonendste Überwinterung fand bei 18 °C statt – mit kaum zwei Kilogramm Futterverbrauch über den gesamten Winter und der geringsten metabolischen Belastung für das Volk.

Diese Methode war für die damalige Zeit jedoch kaum praktikabel. Ciesielski zog daraus eine pragmatische Konsequenz: Eine Stocktemperatur von etwa 10–12 °C stellt einen gut erreichbaren Kompromiss dar. Doch auch das, so zeigte er, ist mit einfachen, dünnwandigen Holzbeuten nicht zu leisten – es braucht eine wirksame Wärmedämmung. Kälter zu überwintern ist möglich, aber nicht folgenlos: Der Preis sind deutlich höhere Futterverbräuche, mehr Heizarbeit und ein beschleunigter biologischer Verschleiß der einzelnen Bienen.

Ciesielskis Beobachtungen waren keine historische Ausnahme. Auch spätere Untersuchungen kamen immer wieder zu ähnlichen Ergebnissen: Überwinterung bei moderaten Temperaturen – teils bis nahe 20 °C – ist für Bienenvölker physiologisch schonender als die extreme Kälte. Die eigentliche Frage lautet daher nicht, ob Bienenvölker kalt überwintern können, sondern welchen Preis wir sie dafür bezahlen lassen – und ob es nicht an der Zeit ist, den Bienenstock so zu gestalten, dass er das Volk unterstützt, statt es zum permanenten Überlebenstraining zu zwingen.